Dave Christensen
Tribute to Dave Christensen
Dave Christensen war eine der schillerndsten und aussergewöhnlichsten Persönlichkeiten, die die Geschichte des goldenen Zeitalters der Flipper in den 70er-Jahren stark prägte. Geboren 1939 in Wisconsin studierte er Maschinenbau und Kunst. 1958 wurde er in die U.S. Army eingezogen und für 3 Jahre in Deutschland stationiert. Dort holte er sich viele Inspirationen für seine späteren Arbeiten. Danach begann seine berufliche Karriere als Technischer Zeichner. Als „Freelancer“ gehörte die Firma Bally Manufacturing Co. in Chicago, für die er die technischen Beschriebe, Service Bücher, Zeichnungen und Druckvorlagen erstellte, bald zu seinem grössten Kunden. Mehr als Experiment entwarf er 1971 seinen ersten Flipper. Mit dem legendären „FireBall“ entstand ein surrealistisches und provozierendes Kunstwerk, das eine neue Zeit der künstlerischen Gestaltung von Flippergeräten einläutete. „FireBall“ war derart erfolgreich, dass sich Dave nun vollumfänglich seiner Berufung, der Kunst und Gestaltung, widmen konnte und nun für Bally ausschliesslich Flipper und Slotmachines entwarf. Innerhalb der Bally Organisation trug ihm „FireBall“ den Spitznamen „Crazy Dave“ ein.
Bis zu diesem Zeitpunkt blieben die Künstler, welche die Flipper entwarfen, anonym. Dave setzte neue Zeichen und personifizierte diese, indem er seine Initialen, seinen oder die Namen von Designern, der Darsteller oder des CEO von Bally im Backglass oder auf dem Spielfeld integrierte, sei es auf dem Rennauto des „Twin Win“, der Champagner-Flasche des „Monte Carlo“, auf dem Nummernschild und dem Hochhaus des „Old Chicago“ oder unter dem Schlittschuh des „Power Play“. Dave nannte sich selber „Mad Dog“ und verewigte sich als Fahrer des rot-blauen Boliden im „Nitro Ground Shaker“ mit Seitenaufschrift „Mad Dog Christensen“.
Er entwickelte seinen eigenen Stil, der mit „the 3Bs“, „Broads, Boobs and Belt-Buckles“ in die Geschichte einging. Vollbusige Damen mit auffälligen und beschrifteten Gürtelschnallen (z.B. „Take me“ beim „Wizard“, „Insert coin here“ beim „Bon Voyage“) zierten viele seiner Flipper. Eigenschaften, die Dave Christensen zu seinem Kultstatus verhalfen, waren seine Leidenschaft zum Detail und auch zur Provokation. Sei es Adolf Hitler, der beim „Capt. Fantastic“ in der Menge ein Schild „RING THEM BELLS“ in die Höhe hält, beim selben Flipper ein Mann, der den Stinkefinger zeigt und eine Dame, die einem Herrn unmissverständlich an die Hose geht (diese beiden Details mussten nach der Prototype-Serie mit Sternen überdeckt werden), der Aufdruck „Meine Ehre heisst Treue“ auf dem Dolch des „Mata Hari“ (diese Inschrift musste nach 4500 produzierten Einheiten auf Intervention von Deutschland auf Grund von Assoziationen zum 2. Weltkrieg entfernt werden), ein Pärchen beim Akt auf der Tribüne des „Nitro Ground Shaker“ oder ein „Oben-ohne-Backglass-Unikat“ des „Twin Win“ für seinen Freud Jim Patla, der für das Design verantwortlich war.
In seiner Zeit bei Bally entwarf Dave siebzehn Flipper mit einer Totalauflage von 113‘000 produzierten Einheiten. Sein letztes Kunstwerk war der „FireBall II“, sein möglicherweise bestes Meisterstück, der „Son of Fireball“, ist leider nie in Produktion gegangen. Veränderungen im Management und in der Firmenkultur bewogen den Individualisten Dave 1982, Bally den Rücken zu kehren. Möglicherweise zum richtigen Zeitpunkt, den in den frühen 80er-Jahren begann der Anfang vom Ende des goldenen Zeitalters der Pinball Machines.

Gene L. Cunningham, ein namhafter Flipper-Enthusiast aus Amerika, hat über Dave Christensen ein sehr schönes und empfehlenswertes Buch „Mad Dog and His Art“ herausgebracht. Neben interessanten Geschichten von Wegbegleitern von Dave sind sehr schöne Photographien und Anekdoten zu jedem seiner Flipper beinhaltet.
Ende 2011 haben wir unsere Sammlung aller Dave Christensen Pins mit dem Import des elektromechanischen Mata Hari aus den USA komplettiert und somit eines unserer grossen Ziel erreicht. Was viele nicht wissen, beim "Fore" hat Dave Christensen das Design der beiden Girls auf dem Spielfeld gemacht. Dieser Flipper wurde lediglich in einer Auflage von 70 Stück produziert und befindet sich auch in unserer Sammlung. Jetzt gilt es nur noch, Dave die Sammlung in der Schweiz persönlich zu zeigen, auch dies wird uns noch gelingen.



